Ein Tag mit meiner Band in 15 Jahren

Ein Tag mit meiner Band in 15 Jahren

Es ist ein wunderschöner Morgen auf dem Pazifik. Wir befinden uns auf einem Kreuzfahrtschiff. Unsere Band wurde für diese Kreuzfahrt engagiert, um zahlreiche Konzerte auf dem Schiff zu geben.

Ich mache erst mal ein ordentliches Workout im schiffseigenen Fitnessstudio, dann bestellen wir per App unser Frühstück, das uns umgehend von einem freundlichen Serviceroboter gebracht wird.

Frisch gestärkt überlegen wir, was den Tag über so ansteht.

Zuerst wollen wir uns alle einspielen und ein bisschen üben. Wir schnappen uns unser Equipment und gehen zum Proberaum. Gut, dass das Musik Equipment inzwischen so klein und leicht geworden ist!

Unsere mobile Anlage ist in null komma nix aufgebaut und in Betrieb. Wir legen das In-Ear-Monitoring an und können damit exakt einstellen, was wir hören und was nicht. Jetzt stellen wir ein, dass jeder nur sich selbst hört.

Während wir anfangen zu üben, kommt wieder ein Serviceroboter und bringt uns Getränke.

Die Noten habe ich auf dem Smartphone, das sich Dank des faltbaren Displays groß genug aufklappen lässt. Bei dem neuen Stück gibt es einen Akkord, den ich noch nicht kenne. Aber ich brauche bloß einmal darauf zu tippen in meinen interaktiven Noten, schon bekomme ich alle wichtigen Informationen angezeigt.

Nach einer kurzen Pause proben wir dann gemeinsam das Programm für den Abend.

Jetzt wird es aber Zeit für das Mittagessen. Wir setzen uns aufs Deck und bestellen uns das Essen, das uns wieder von einem Roboter gebracht wird. Da er ortet, wo man sich befindet, bekommt man sein Essen immer dahin gebracht, wo man sich gerade aufhält.

Nach dem Essen hängen wir noch eine Weile auf dem Deck herum, quatschen und genießen das herrliche Wetter.

Dann beschließen wir schweren Herzens, uns wieder in den Proberaum zu begeben. Wir wollen noch ein paar Songs aufnehmen. Rein technisch gesehen könnten wir das zwar auch draußen machen, so gut wie die Aufnahmetechnik inzwischen geworden ist. Sie filtert so ziemlich alle Nebengeräusche raus. Aber das Management hat es uns untersagt, draußen zu spielen, weil es die Gäste stören würde.

In der App des Schiffs sehen wir, dass inzwischen die meisten Proberäume belegt sind. Aber ein paar sind noch frei. Wir suchen uns den schönsten aus und los geht’s.

Zum Aufnehmen machen wir noch einen kurzen Soundcheck. Aber meist ist gar nicht mehr viel zu tun, da sich das Mischpult selbst einstellt. Auch jetzt nehmen wir nur ein paar minimale Änderungen vor.

Danach nehmen wir ein Stück für unser neues Album auf.

Auf einmal meldet sich die App. Das schiffseigene Fernsehteam will eine Stellprobe für das Konzert am Abend machen. Danach wollen sie uns interviewen.

Also auf zum Speisesaal, wo wir heute zum ersten Mal zum Dinner spielen sollen. Vorher müssen wir uns aber noch umziehen. Schließlich muss die Beleuchtung ja auf unsere Auftrittskleidung eingestellt werden.

Nach dem Umziehen schnappen wir uns unsere Instrumente und gehen los. Wir nutzen die Zeit auf dem Weg, um zu besprechen, was wir bei den Interviews sagen wollen.

Im Speisesaal angekommen, sehen wir schon die Leute vom Fernsehen. Die Beleuchtung ist schon aufgebaut, genau wie die Beschallungsanlage. Wir brauchen nur noch unsere Instrumente mit der Beschallungsanlage zu verbinden (drahtlos natürlich) und los zu spielen.

Sound und Licht stellen sich automatisch ein. Zusammen mit den Technikern vom Fernsehen nehmen wir nur noch ein paar kleine Anpassungen vor.

Jetzt haben wir noch genügend Zeit für die Interviews. Wir nutzen die Gelegenheit, um uns den Gästen des Schiffs vorzustellen. Ich bin etwas aufgeregt, weil ich bei solchen Sachen immer ein bisschen schüchtern bin. Die Interviewerin macht ihre Sache aber richtig gut und ich werde nach kurzer Zeit richtig locker. Letztlich sind wir mit den Ergebnissen auch sehr zufrieden.

Die verbleibende Zeit bis zum Auftritt nutzen wir, um noch eine Kleinigkeit zu essen.

Dann ab auf die Bühne. Während wir spielen, konzentriere ich mich ganz auf die Musik und vergesse alles um mich herum.

Ungefähr drei Stunden später sind alle Gäste gegangen. Wir hören auf und packen erst mal die Instrumente ein.

Dann machen wir uns über die Reste des Büffets her. Ich bin – wie immer nach einem Auftritt – unglaublich hungrig. Die Fernsehleute gesellen sich zu uns.

Sie zeigen uns eine lustige Filmszene, die sie heute nebenbei aufgenommen haben: ein übergewichtiger Herr und eine ältere Dame streiten sich am Büffet lautstark um das letzte Stück Gorgonzola! Sie beruhigen sich erst wieder, als ein diensteifriger Kellner Nachschub bringt. Wir lachen uns schlapp und beschließen, alle zusammen aufs Deck zu gehen und den Abend mit einem Drink ausklingen zu lassen.

Als ich so in der lauen Brise an Deck sitze, fällt mir auf, wie toll mein Leben ist. Was vor 15 Jahren ein unrealistischer Traum zu sein schien, ist Wirklichkeit geworden.

Dies ist mein Beitrag zur Blogparade „Wie prägen Intelligente Informationen unsere Zukunft?“auf dem iiBlog.

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