Leonard Bernstein - auf der Suche nach der amerikanischen Musik

Leonard Bernstein – auf der Suche nach der amerikanischen Musik

Der Dirigent war krank. Da nur noch wenige Stunden bis zum Konzert blieben, musste schnellstens ein Ersatz her. Am 14. November 1943 um acht Uhr morgens wurde Leonard Bernstein informiert, dass er nachmittags ein Konzert in der Carnegie Hall mit den New York Philharmonics dirigieren müsse, welches zu allem Überfluss auch noch live im Fernsehen übertragen werden sollte.

Für eine Probe blieb keine Zeit. Wenigstens ein Gespräch mit Bruno Walter, dem erkrankten Dirigenten, war noch möglich. Dann ging Bernstein aufs Podium. Das Publikum schien zunächst enttäuscht, war dann aber restlos begeistert, genau wie die Orchestermusiker. Das Debüt von Leonard Bernstein war also ein voller Erfolg.

Es war gleichzeitig der Startschuss für eine außergewöhnliche Karriere. Denn Bernstein war nicht nur ein „normaler“ Dirigent, sondern auch Komponist und Pianist. Darüber hinaus widmete er sich auch in besonderem Maße der Musikvermittlung.

Das Leben des Leonard Bernstein

Aber zurück zum Anfang. Wie war es zu dem ebenso überraschenden wie erfolgreichen Debüt des jungen Dirigenten gekommen? Alles begann im Jahre 1918…

Am 25. August 1918 wurde Leonard Bernstein als Sohn zweier jüdischer Immigranten aus der Ukraine in den USA geboren. Nachdem er sein Musikstudium abgeschlossen hatte, wurde er Assistent des Dirigenten Artur Rodzinskis bei den New York Philharmonic. Als dort nun Bruno Walter einige Konzerte als Gastdirigent leiten sollte, kam es zum vorher erwähnten Dirigier-Debüt.

Von da an ging es steil bergauf: Ab 1945 war er dann Chefdirigent des New York City Symphony Orchestra. Dort bemühte er sich darum, die Konzerte für eine breitere Öffentlichkeit attraktiv zu machen, was auch gelang. Von 1958 bis 1969 war er Chefdirigent der New York Philharmonic. Seit den 60er Jahren dirigierte er immer häufiger als Gastdirigent außerhalb der USA. Insgesamt hat Bernstein mehr als 70 Orchester auf der ganzen Welt dirigiert!

Trotzdem fand er immer wieder auch die Zeit zum Komponieren. Er schrieb nicht nur mehrere (unterhaltsame) Bühnenwerke, wie z.B. das Musical  West Side Story, sondern auch Sinfonien, Konzerte und Kammermusik.

Außerdem nutzte er als erster klassischer Musiker die Möglichkeiten des Fernsehens. Denn seine Bestrebungen, eine größere Menge an Menschen zu erreichen, ließen sich mit Fernsehsendungen und live übertragenen Konzerten bestens unterstützen. So wurden nicht nur Konzerte für Kinder im Fernsehen gesendet, sondern Bernstein hatte auch eine eigene Sendereihe, die „Omnibus“ hieß. Darin erklärte er wichtige musikalische Zusammenhänge.

Die Suche nach der amerikanischen Musik

Wo war die original amerikanische Musik zu finden? In den Konzertsälen und Opernhäusern sicher nicht. Dort wurden weitgehend nur europäische Werke aufgeführt. Das störte Leonard Bernstein. Er hatte sich zum Ziel gesetzt, eine original amerikanische klassische Musik zu erschaffen.

Die Grundlage dafür sah er im Jazz. Diesen hielt er, anders als viele andere klassische Musiker damals, nicht nur für Unterhaltungsmusik. Dementsprechend komponierte er mit Rückgriff auf den Jazz. Darüber hinaus verarbeitete Bernstein die Eindrücke aus seiner Wahlheimat New York in einigen Bühnenwerken (On the Town, Wonderful Town, West Side Story).

Als Dirigent führte er oft Werke moderner amerikanischer Komponisten auf und arbeitete mit Benny Goodman und Louis Armstrong zusammen.

Letztendlich war sich Bernstein aber bis zu seinem Lebensende nicht sicher, ob seine Kompositionen charakteristisch amerikanisch sind oder nicht. Er war auf jeden Fall eher enttäuscht von der Entwicklung des amerikanischen Musiklebens. Zu Recht?

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