Bernd Alois Zimmermann: ein Außenseiter der Neuen Musik

Bernd Alois Zimmermann: ein Außenseiter der Neuen Musik

Anlässlich seines 100. Geburtstages möchte ich euch einen recht unbekannten Komponisten vorstellen: Bernd Alois Zimmermann, geboren am 20. März 1918 in Bliesheim, heute Erftstadt (südwestlich von Köln).

Die Jugend von Bernd Alois Zimmermann

Aufgewachsen in einer katholisch geprägten Gegend war Zimmermann als Junge sportlich, musisch begabt und guter Schüler.  Er stammte aus einfachen Verhältnissen, der Vater arbeitete bei der Reichsbahn und betrieb eine Nebenerwerbslandwirtschaft. Nach der Volksschule besuchte er das Internat Salvatorianerkolleg in Bad Wurzach, da seine Eltern eine geistlicher Laufbahn angedacht hatten.

Das Gymnasium wurde 1936 von den Nazis geschlossen, Zimmermann besuchte dann das altsprachliche Gymnasium in Köln und legte 1937 sein Abitur ab. Dann leistete er ein halbes Jahr Reichsarbeitsdienst.

Bernd Alois Zimmermann begann ein Studium in Bonn mit dem Berufsziel Volksschullehrer, nach zwei Semester wechselte er aber an die Kölner Musikhochschule zum Fach Schulmusik. In den folgenden Jahren wurde sein Studium kriegsbedingt immer wieder unterbrochen. Schon während des Studiums wurden erste Kompositionen im kleinen Kreis aufgeführt. Letzlich machte Zimmermann 1947 sein Examen in Schulmusik.

Die Arbeit als Komponist

Seine erste Arbeit nach dem Studium bestand darin, Musik für den Rundfunk zu komponieren oder zu arrangieren. Von 1950-52 hatte er auch eine Lektorenstelle für Musiktheorie am Musikwissenschaftlichen Institut der Universität Köln. Ab 1958 arbeitete er als Kompositionslehrer an der Kölner Musikhochschule.

1948-50 besuchte er regelmäßig die „Darmstädter Ferienkurse für Neue Musik“, bei der er die Theorie der Neuen Musik erlernte. Allerdings gehörte Zimmermann nicht zur Darmstädter Schule um Karlheinz Stockhausen, Pierre Boulez und Luigi Nono, sondern war eher ein Außenseiter.

Im Sommer 1957 erhielt Bernd Alois Zimmermann von der Stadt Köln den Auftrag, eine Oper zu schreiben. Er entschied sich für die Textgrundlage „Die Soldaten“ von Jakob Michael Reinhold Lenz und begann im Herbst 1957 mit der Komposition. Der Indendant der Kölner Oper Oscar Fritz Schuh war jedoch zunehmend skeptisch und Anfang 1960 teilte er Zimmermann mit, er wolle die Aufführung verschieben, mit der Begründung, das Werk sei unaufführbar.Daraufhin stoppte auch der Schott-Verlag die Produktion des Materials. Das war ein schwerer Schlag für Zimmermann, der weiterhin von seinem Werk überzeugt war.

Immerhin erhielt er 1962 eine Professor an der Kölner Musikhochschule.

Erst 1963 kam wieder Bewegung in die Sache mit der Oper, als der WDR die Vokalsinfonie „Die Soldaten“ aufführte. Damit war das Argument „Unaufführbarkeit“ ein für allemal widerlegt. Außerdem gab es an der Kölner Oper einen Intendantenwechsel zu Arno Assmann. Letztlich fand die Uraufführung der Oper „Die Soldaten“ im Februar 1965 in Köln statt. Es folgten zwei weitere Aufführungen: 1968 in Kassel und 1969 in München.

Das war zwar ein später Triumph, doch konnte sich Zimmermann nicht mehr wirklich darüber freuen, da er unter gesundheitlichen Problemen litt: ein inoperables Augenleiden (Glaukom) und sich immer mehr verschlimmernde Depressionen. Es gelang Zimmermann, noch mehrere Werke fertigzustellen, bis er am 10. August 1970 Selbstmord beging. Er hinterließ seine Frau und drei Kinder.

Das Werk von Bernd Alois Zimmermann

Trotz seiner Außenseiterposition und des Hickhacks um seine Oper war Zimmermann aber keineswegs erfolglos. Viele seiner Werke wurden schon zu seiner Lebzeit aufgeführt und positiv aufgenommen.

Bernd Alois Zimmermann gehörte zur sogenannten heroische Zeit der Neuen Musik, in der sich die Komponisten, befreit von der Unterdrückung durch die Nationalsozialisten, den neuen musikalischen Ansätzen zuwandten. Auch Zimmermann bediente sich bei seinen Kompositionen der Zwölftontechnik, der seriellen Technik und teilweise der Aleatorik (Zufallsmusik) und fand schließlich zu seiner pluralistische Kompositionstechnik (Zitat-, Montage- und Collagetechnik). Dieser lag die Zeitphilosophie Zimmermanns zugrunde: die „Kugelgestalt der Zeit“, also Gleichzeitigkeit von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Für die Querflöte hat Zimmermann nur ein Stück geschrieben: die Sonate für Flöte solo „Tempus loquendi“ für Flöte, Altflöte und Bassflöte, entstanden 1963 auf Wunsch des italienischen Flötisten Severino Gazzelloni. Diese Sonate enthält als einziges Werk Zimmermanns Elemente der Aleatorik durch die freie Kombinierbarkeit von Notengruppen.

Quelle: Bernd Alois Zimmermann – Der Komponist und sein Werk von Wulf Konold

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