Claude Debussy: an der Schwelle zur Neuen Musik

Claude Debussy stammte aus bescheidenen Verhältnissen, in denen keinen Wert auf eine musikalische Ausbildung gelegt wurde. Trotzdem wurde er ein berühmter Komponist und der Hauptvertreter des Impressionismus. Wie es dazu kam…

Claude Debussy ca 1908, foto av Félix Nadar

Die Jugend von Claude Debussy

Geboren wurde Debussy am 22. August 1862 in Saint-Germain-en-Laye, die Familie zog danach aber nach Paris. Die Eltern waren kleine Geschäftsleute, die zunächst gar nicht auf die Idee kamen, ihren Sohn musikalisch ausbilden zu lassen. Er besuchte auch nie eine Schule. Dafür hatte der junge Claude Paten, die sein Interesse an Musik weckten und ihm den ersten Klavierunterricht ermöglichten.

Durch Zufall lernte er Madame Mauté de Fleurville kennen, eine wohlhabende Frau, die anbot, für Claudes Ausbildung zu sorgen. Die Eltern nahmen das Angebot an, in der Hoffnung, ihr Sohn würde ein berühmter Pianist werden.

1872, also mit 10 Jahren, wurde Debussy ins Pariser Konservatorium aufgenommen. Sein Ziel war weiterhin, Klaviervirtuose zu werden. Er war ein eher rebellischer Schüler, der bei den konservativen Lehrern immer wieder aneckte. Er gewann trotzdem einige Preise bei Klavierwettbewerben und wurde in die Kompositionsklasse aufgenommen.

Nachdem Debussy bei einigen Klavierwettbewerben Misserfolge verbuchen musste, gab er 1880 die Laufbahn als Virtuose endgültig auf und widmete sich hauptsächlich dem Komponieren.

Die Arbeit als Komponist

Debussy begann, eher widerwillig, sich um den berühmten Prix der Rome zu bemühen. 1884 bekam er dann auch den 1. Preis, der ihm einen mehrjährigen Aufenthalt in der Villa Medici in Rom einbrachte.

Von 1885-1887 lebte Debussy dann in der Villa Medici, fühlte sich dort aber sehr unwohl, da er mit den anderen Künstlern dort nicht zurecht kam. So kam es zum vorzeitiger Abbruch des Aufenthalts.

Den großen Durchbruch als Komponist hatte Claude Debussy 1894 mit „Prélude a l’après-midi d’un faune“. Dieses Orchesterwerk war damals völlig neuartig, wurde aber beim Publikum gut aufgenommen. Interessant ist, das es mit einem Flötensolo beginnt.

Danach wirkte Debussy weiter als Komponist, und es entstanden berühmte Werke wie „Les Nocturnes“, die Oper „Pelléas et Mélisande“ und „La Mer“.

Für die Querflöte hat Claude Debussy zwei Stücke geschrieben:

Am 25. März 1918 starb Claude Debussy an Darmkrebs.

Das Werk von Claude Debussy

Die Kompositionen Debussys gehören zum Impressionismus,einer Stilrichtung, die von 1890 bis 1920 hauptsächlich in Frankreich vorherrschte. Der Begriff „Impressionismus“ kommt ursprünglich aus der Malerei, in der Musik wurde er verwendet, seit die Jury des Prix de Rome das von Debussy eingereichte Werk „Printemps“ mit den Worten „vager Impressionismus“ kritisierte.

Der Impressionismus markiert den Übergang von der Romantik zur Moderne. Ziel der impressionistischen Komponisten war, Klangbilder zu erschaffen. Zu diesem Zweck gaben sie die traditionellen Formstrukturen auf, ebenso wie die Dur-Moll-Tonalität. Auch in Bezug auf die Rhythmik gingen die Impressionisten neue Wege: sie erzeugten komplizierte Rhythmen durch die Verschleierung der Taktschwerpunkte.

Claude Debussy hat mit seiner neuartigen Kompositionstechnik also nicht nur eine musikalische Stilrichtung geschaffen, sondern auch die Tür zur Neuen Musik geöffnet.

Zum Weiterlesen:

Lili Boulanger, eine impressionistische Komponistin
Bernd Alois Zimmermann: ein Außenseiter der Neuen Musik
Theobald Boehm: Erfinder der modernen Querflöte

Bernd Alois Zimmermann: ein Außenseiter der Neuen Musik

Anlässlich seines 100. Geburtstages möchte ich euch einen recht unbekannten Komponisten vorstellen: Bernd Alois Zimmermann, geboren am 20. März 1918 in Bliesheim, heute Erftstadt (südwestlich von Köln).

Die Jugend von Bernd Alois Zimmermann

Aufgewachsen in einer katholisch geprägten Gegend war Zimmermann als Junge sportlich, musisch begabt und guter Schüler.  Er stammte aus einfachen Verhältnissen, der Vater arbeitete bei der Reichsbahn und betrieb eine Nebenerwerbslandwirtschaft. Nach der Volksschule besuchte er das Internat Salvatorianerkolleg in Bad Wurzach, da seine Eltern eine geistlicher Laufbahn angedacht hatten.

Das Gymnasium wurde 1936 von den Nazis geschlossen, Zimmermann besuchte dann das altsprachliche Gymnasium in Köln und legte 1937 sein Abitur ab. Dann leistete er ein halbes Jahr Reichsarbeitsdienst.

Bernd Alois Zimmermann begann ein Studium in Bonn mit dem Berufsziel Volksschullehrer, nach zwei Semester wechselte er aber an die Kölner Musikhochschule zum Fach Schulmusik. In den folgenden Jahren wurde sein Studium kriegsbedingt immer wieder unterbrochen. Schon während des Studiums wurden erste Kompositionen im kleinen Kreis aufgeführt. Letzlich machte Zimmermann 1947 sein Examen in Schulmusik.

Die Arbeit als Komponist

Seine erste Arbeit nach dem Studium bestand darin, Musik für den Rundfunk zu komponieren oder zu arrangieren. Von 1950-52 hatte er auch eine Lektorenstelle für Musiktheorie am Musikwissenschaftlichen Institut der Universität Köln. Ab 1958 arbeitete er als Kompositionslehrer an der Kölner Musikhochschule.

1948-50 besuchte er regelmäßig die „Darmstädter Ferienkurse für Neue Musik“, bei der er die Theorie der Neuen Musik erlernte. Allerdings gehörte Zimmermann nicht zur Darmstädter Schule um Karlheinz Stockhausen, Pierre Boulez und Luigi Nono, sondern war eher ein Außenseiter.

Im Sommer 1957 erhielt Bernd Alois Zimmermann von der Stadt Köln den Auftrag, eine Oper zu schreiben. Er entschied sich für die Textgrundlage „Die Soldaten“ von Jakob Michael Reinhold Lenz und begann im Herbst 1957 mit der Komposition. Der Indendant der Kölner Oper Oscar Fritz Schuh war jedoch zunehmend skeptisch und Anfang 1960 teilte er Zimmermann mit, er wolle die Aufführung verschieben, mit der Begründung, das Werk sei unaufführbar.Daraufhin stoppte auch der Schott-Verlag die Produktion des Materials. Das war ein schwerer Schlag für Zimmermann, der weiterhin von seinem Werk überzeugt war.

Immerhin erhielt er 1962 eine Professor an der Kölner Musikhochschule.

Erst 1963 kam wieder Bewegung in die Sache mit der Oper, als der WDR die Vokalsinfonie „Die Soldaten“ aufführte. Damit war das Argument „Unaufführbarkeit“ ein für allemal widerlegt. Außerdem gab es an der Kölner Oper einen Intendantenwechsel zu Arno Assmann. Letztlich fand die Uraufführung der Oper „Die Soldaten“ im Februar 1965 in Köln statt. Es folgten zwei weitere Aufführungen: 1968 in Kassel und 1969 in München.

Das war zwar ein später Triumph, doch konnte sich Zimmermann nicht mehr wirklich darüber freuen, da er unter gesundheitlichen Problemen litt: ein inoperables Augenleiden (Glaukom) und sich immer mehr verschlimmernde Depressionen. Es gelang Zimmermann, noch mehrere Werke fertigzustellen, bis er am 10. August 1970 Selbstmord beging. Er hinterließ seine Frau und drei Kinder.

Das Werk von Bernd Alois Zimmermann

Trotz seiner Außenseiterposition und des Hickhacks um seine Oper war Zimmermann aber keineswegs erfolglos. Viele seiner Werke wurden schon zu seiner Lebzeit aufgeführt und positiv aufgenommen.

Bernd Alois Zimmermann gehörte zur sogenannten heroische Zeit der Neuen Musik, in der sich die Komponisten, befreit von der Unterdrückung durch die Nationalsozialisten, den neuen musikalischen Ansätzen zuwandten. Auch Zimmermann bediente sich bei seinen Kompositionen der Zwölftontechnik, der seriellen Technik und teilweise der Aleatorik (Zufallsmusik) und fand schließlich zu seiner pluralistische Kompositionstechnik (Zitat-, Montage- und Collagetechnik). Dieser lag die Zeitphilosophie Zimmermanns zugrunde: die „Kugelgestalt der Zeit“, also Gleichzeitigkeit von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Für die Querflöte hat Zimmermann nur ein Stück geschrieben: die Sonate für Flöte solo „Tempus loquendi“ für Flöte, Altflöte und Bassflöte, entstanden 1963 auf Wunsch des italienischen Flötisten Severino Gazzelloni. Diese Sonate enthält als einziges Werk Zimmermanns Elemente der Aleatorik durch die freie Kombinierbarkeit von Notengruppen.

Quelle: Bernd Alois Zimmermann – Der Komponist und sein Werk von Wulf Konold

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Lili Boulanger, eine impressionistische Komponistin

Am 15. März 2018 hat eine französische Komponistin ihren 100. Todestag: Lili Boulanger (eigentlich Marie-Juliette Olga Boulanger), geboren am 21. August 1893 in Paris.

Lili Boulanger.jpgVon en:User:Brian0918 – From en:Wikipedia en:Image:Lili Boulanger.jpg, Gemeinfrei, Link

Kindheit und Jugend von Lili Boulanger

Hineingeboren wurde Lili in eine musikalische und gebildete Familie, der Vater Ernest war ein erfolgreicher Komponist und gewann den begehrten Preis „Prix de Rome“ mit 19 Jahren im Jahre 1835. Die Mutter war Sängerin.

So war Lili von klein auf von Musik umgeben. Sie hatte eine ältere Schwester, Nadia, die eine renommierte Musikpädagogin, Pianistin, Organistin, Dirigentin und Komponistin wurde. Lili selbst litt seit ihrer frühen Kindheit unter erheblichen gesundheitlichen Problemen, die einen regelmäßigen Schulbesuch unmöglich machten. Daher erhielt sie Privatunterricht und lernte die Instrumente Geige, Cello, Harfe und Klavier. Außerdem begleitete sie auch öfter Nadia in deren Unterricht (u.a. Komposition bei Gabriel Faure).

Als Lili sechs Jahre alt war, starb ihr Vater und somit waren ihre Mutter, ihre Schwester und sie auf sich allein gestellt.

Da Lili mit ihrer labilen Gesundheit nicht auf eine Heirat setzen konnte, formulierte sie mit 16 Jahren ihr Lebensziel: sie wolle Komposition studieren und den Prix de Rome gewinnen, wie ihr Vater. Sie machte sich unverzüglich an die Arbeit und bereitete sich zielstrebig auf den Wettbewerb zum Prix de Rome vor.

1912 hatte sie ihr öffentliches Debut als Komponistin als ihre Werke „Les Sirènes“ und „Renouveau“ bei einer Soiree ihrer Mutter uraufgeführt wurden.

Im gleichen Jahr nahm sie am Wettbewerb zum Prix de Rome teil, musste aber aufgrund ihrer gesundheitlicher Probleme vorzeitig aufgeben. Davon ließ sie sich aber nicht entmutigen und probierte es im darauffolgenden Jahr gleich wieder. Mit Erfolg!

Der große Erfolg von Lili Boulanger

Am 5. Juli 1913 erhielt Lili Boulanger den Prix de Rome als erste Komponistin (1911 hatte die Bildhauerin Lucienne Heuvelmans als erste Frau überhaupt dem Prix de Rome gewonnen). Bestandteil des Preises war ein Stipendium und ein mehrjähriger Aufenthalt in der Villa Medici in Rom.
Der Preis brachte ihr auch einen Vertrag mit dem Ricordi-Verlag.

Der Aufenthalt in der Villa Medici war allerdings problematisch, da sie sich krankheitsbedingt nicht an alle Regeln halten konnte. Außerdem gab es noch große Vorbehalte gegenüber Frauen (Lili war ja erst die zweite Frau in der Villa Medici). So gab es Streit um die Frage, ob den Frauen weibliches Personal auf dem Zimmer zustehe (bei den Männern war männliches Personal üblich). Aber auch diese Frage konnte geklärt werden (zugunsten der Frauen übrigens) und letztlich genoss Lili ihren Aufenthalt dort und schloss viele Freundschaften mit den anderen Künstlern, die dort wohnten.

Das Leben nach dem Prix de Rome

Der erste Weltkrieg beendete jedoch den Aufenthalt der Stipendiaten in der Villa Medici, von denen die meisten als Soldaten eingezogen wurden.

Im Krieg leistete sie humanitäre Arbeit, indem sie eine Organisation gründete, die die ehemaligen Studenten der Kompositionsklasse des Pariser Konservatoriums mit gegenseitigen Nachrichten versorgen sollte. Zu diesem Zweck gaben sie eine Zeitung heraus.

Darüber hinaus komponierte Lili weiter und dirigierte Aufführungen ihrer eigenen Werke. Ab 1916 war jedoch klar, dass Lili ernsthaft krank war und nicht mehr lange leben würde. Sie komponierte noch, so viel es ging. Das letzte vollendete Werk war das „Pie Jesu“, das sie ungefähr drei Wochen vor ihrem Tod fertigstellte. Zum Schluss konnte sie nicht einmal selbst Noten schreiben und musste ihrer Schwester Nadia diktieren.

Am 15.März 1918 starb Lili Boulanger im Alter von 24 Jahren.

Was bleibt von Lili Boulanger?

Von ihr sind 40 Kompositionen vorhanden (es gibt auch einige verschollene Werke), darunter vier für Querflöte: „Piece pour violon ou flute et piano“, „Nocturne“ (für Violine oder Flöte und Klavier), „Cortège“ (für Violine/Flöte und Klavier), und „D’un matin de printemps“ (für Violine oder Flöte und Klavier)

Und uns bleibt ein bewundernswertes Vorbild, das zeigt, dass man seine Ziele erreichen kann, auch wenn die Voraussetzungen nicht die besten sind.

Quelle: Lili Boulanger – Leben und Werk von Léonie Rosenstiel*

Auch interessant: Theobald Boehm: Erfinder der modernen Querflöte

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Digital Detox in der Fastenzeit: Zwischenfazit

Die ersten 20 Tage meiner Digital Detox Kur (Artikel) sind schon rum und ich finde, es ist Zeit für ein Zwischenfazit. Ich habe mich während dieser Zeit selbst beobachtet und auch Tagebuch darüber geführt. Und ich muss sagen, ich bin teilweise echt überrascht, wie sich das Selbstexperiment bis jetzt auf mich und mein Verhalten ausgewirkt hat!

Das Wichtigste zuerst: bis jetzt habe ich es durchgezogen und es war nicht übermäßig schwierig. Geholfen hat mir dabei bestimmt auch das gute Wetter.

Trotzdem habe ich mich noch nicht komplett daran gewöhnt. Ich bin ehrlich überrascht, wie oft ich den Wunsch verspüre, online zu gehen um mir etwas anzugucken oder durchzulesen, das eigentlich nur der Unterhaltung dient. Ich habe mich dann aber immer beherrscht und irgendwas anderes gemacht und dann ging es auch wieder. Aber diese Beobachtung hat mich schon etwas geschockt und ist für mich ein Zeichen, dass meine Digital Detox Kur tatsächlich sinnvoll ist.

Mein Leben ist auch ein bisschen langweiliger geworden, aber nicht so viel, wie ich befürchtet hatte. Am schwierigsten ist es, wenn ich frustriert oder irgendwie schlecht drauf bin. Dann fehlt mir die Möglichkeit, mich mit Medienkonsum abzulenken und aufzumuntern. Ich weiß noch nicht, ob das gut oder schlecht ist.

Ich habe festgestellt, dass ich tatsächlich mehr Zeit habe und diese auch gut nutze. Zum Beispiel habe ich mehr Querflöte und Klarinette geübt. Im Schnitt dürften es täglich etwa 20 Minuten mehr sein als vor der Fastenzeit. Das macht pro Woche immerhin 2 Stunden und 20 Minuten aus!

Außerdem lese ich mehr Bücher. Bis jetzt habe ich schon drei Bücher zuende gelesen, und hatte auch Zeit genug, um über das Gelesen nachzudenken. Das hat wirklich Spaß gemacht, schließlich liebe ich Bücher! Ich habe aber nicht nur Bücher gelesen, sondern auch die Nachrichten. Jetzt bin ich so gut über das politische Geschehen informiert, wie seit Jahren nicht mehr. Auch in ein paar alte Lehrbücher habe ich mal wieder reingeschaut.

Ich gehe auch mehr raus an die frische Luft (was bestimmt auch mit dem tollen Wetter zusammen hängt).

Dann habe ich noch eine überraschende Beobachtung gemacht: ich bin viel produktiver und trotzdem weniger gestresst. Irgendwie bin ich plötzlich total motiviert, alle möglichen Dinge zu erledigen! Und so macht sich die Arbeit auf einmal scheinbar von selbst. Das ist total verrückt.

Ich bin schon gespannt, wie es den Rest der Fastenzeit weiter geht. Werde ich noch neue verblüffende Effekte beobachten? Mehr dazu demnächst.