Theobald Boehm: Erfinder der modernen Querflöte

Theobald Boehm: Erfinder der modernen Querflöte

Theobald Boehm
Theobald Böhm (1794-1881), Hanfstaengel, Photographie ca. 1852

„Nachdem ich mit großen Kosten von beynahe allen berühmten Meistern Flöten habe kommen lassen und niemals Eine ohne bedeutende Fehler erhielt, entschloß ich mich, selbst Flöten zu verfertigen.“  Theobald Boehm

Wir schreiben das Jahr 1829. Theobald Boehm, der die letzten 10 Jahre als Flötist gearbeitet hatte, hat sich gerade erst wieder eine Werkstatt eingerichtet, um sich erneut dem Flötenbau zu widmen. Daraus wird 1832 die berühmte Boehm-Flöte hervorgehen, aber dazu später mehr.

Die Jugendjahre von Theobald Boehm

Geboren wurde Theobald Boehm am 9. April 1794 in München. Nach der Schule erlernte er in der Werkstatt seines Vaters das Goldschmiedehandwerk. Außerdem erhielt er von seinem Nachbarn Flötenunterricht und baute sich auch selbst mehrere Flöten. Sein erstes Instrument, das er im Alter von 16 Jahren herstellte, war eine Kopie eines vierklappiges Instrumentes aus der Dresdener Werkstatt Grenser.

1812 wurde er als Flötist Mitglied des königlichen Hoftheaters, dann der königlichen Hofkapelle. Darüber hinaus war er auch Komponist, der sich eigene Stücke schrieb. Sein Vorbild war Paganini, der Teufelsgeiger. Da die Goldschmiedewerkstatt seines Vaters 1818 geschlossen wurde, musste er den Flötenbau aufgeben. Dafür unternahm er mehrere Konzertreisen, u.a. nach Leipzig, Wien, Berlin, Prag und Zürich.

Die Erfinderzeit von Theobald Boehm

Da Boehms Ziel, der Paganini der Flöte zu werden, sich mit den damals verfügbaren Instrumenten aber nicht verwirklichen ließ, richtete er sich wie oben erwähnt eine eigene Werkstatt ein und baute wieder Flöten. Diese Instrumente waren weitgehend an den vorhandenen Flöten orientiert. Um seine Flöten bekannt zu machen, unternahm er eine Konzertreise nach England, wo er völlig neue Anregungen in bezug auf den Flötenbau erhielt. In England gab es nämlich einen massiven Flötentyp mit überdimensionalen Grifflöchern, der Boehm begeisterte. Um Näheres zu Konstruktion und Bau zu erfahren, arbeitete er in einigen englischen Werkstätten.

Danach kehrte er nach Deutschland zurück und begann, seine eigene Flöte zu entwickeln. 1832 hatte er es schließlich geschafft: die berühmte Ringklappenflöte war fertig. Boehm hatte die großen Tonlöcher der englischen Flöten übernommen, diese jedoch nach rein akustischen Erfordernissen auf der Flöte angeordnet (vorher waren sie so angeordnet, dass man sie mit den Fingern gut erreichen konnte). Da man diese jetzt nicht mehr direkt mit den Fingern schließen konnte, entwickelte er einen Klappenmechanismus, der dieses Problem löste. Dieser Ringklappenmechanismus erlaubte es, in allen Tonarten zu spielen. Die Ringklappenflöte war aus Holz (Kokos oder Grenadill) und umgekehrt konisch gebohrt.

1833 ging Theobald Boehm wieder auf Konzerttour, um sein Instrument vorzustellen. 1834 hängte er die Musik an den Nagel und betätigte sich nur noch als Erfinder, sowohl im Instrumentenbau als auch in anderen Bereichen. Dabei arbeitete er mit dem Naturwissenschaftler Carl Emil Schafhäutl zusammen.

1846 kehrte Boehm zum Flötenbau zurück. Schafhäutl hatte einen Aufsatz mit dem Titel „Theorie gedeckter cylindrischer und konischer Pfeifen und Querflöten“ verfasst. Die Ergebnisse daraus nahmen die beiden als Grundlage und fanden heraus, dass ein zylindrisches Rohr mit parabolischem Kopfstück optimal ist. Bei den Experimenten verwendete Boehm Metallrohre, um sichere Messergebnisse zu erhalten. Dies führte zu der Erkenntnis, dass das Metallrohr besser ist. 1847 war das neue Modell, die Zylinderflöte, fertig: Das Rohr war aus Metall, die Bohrung war zylindrisch mit parabolischen Kopfstück, das Instrument hatte große Tonlöcher auf Tonlochkaminen und die Boehmmechanik, jetzt allerdings mit Deckelklappen statt Ringklappen.

In den darauffolgenden Jahren experimentiert Boehm mit der Veränderung von Details. 1858 entwickelte er eine Altflöte.

Das Erbe von Theobald Boehm

Ab ca. 1860 gab Boehm die Leitung der Werkstatt an einen Angestellten ab, den Uhrmacher Carl Mendler. Die Werkstatt hieß danach „Werkstatt Boehm & Mendler“. Boehm selbst unterrichtete danach auf seiner neuen Flöte und durch seine Schüler verbreitete sich sein Instrument.

Heutzutage wird nur noch die Boehmflöte gespielt (oder Modelle aus der Zeit vor Boehm). Außerdem wurde sein Griffsystem auch auf die Klarinette im Boehmsystem und auf das Saxophon übertragen.

Theobald Boehm starb am 25. November 1881 in München. Seine Erfindung lebt weiter, auf der ganzen Welt.

Quellen:
Wikipedia
Manfred Hermann Schmid, Theobald Boehm – Die Revolution der Flöte, Hans Schneider Tutzing, 1981

Zum Weiterlesen: Warum ist die Querflöte ein Holzblasinstrument?

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